eBooks sind böse – oder?

eBooks sind böse – das findet anscheinend Friedrich Forssmann, Mitarbeiter der Arno-Schmidt-Stiftung. Er argumentiert mit Textqualität, unklarem Urheberrecht und der Abhängigkeit von den Anbietern:

Bücher kommen vielleicht aus der Mode, sie überleben aber zuverlässig, im Originaltext ihrer Zeit, in der Orthographie ihrer Zeit, in der Ästhetik ihrer Zeit, in der Technik ihrer Zeit, und können und werden auch dann noch wiederentdeckt werden, wenn Amazon von Apple gekauft worden ist und beide von Google und Google von Gazprom und Gazprom von den Chinesen und die Chinesen von Qatar und alle zusammen längst pleite sind.“ 

Aus der intellektuellen Sicherheit der  Arno-Schmidt-Stiftung heraus ist das eine schlüssige Argumentation. Aber eine Antwort aus Sicht von Selfpublishern wünsche ich mir doch. Vielleicht mit einer Überschrift wie: „Warum ich meinen Text ohne eBooks gar nicht veröffentlichen könnte.“.Oder aus der Sicht von Sehbehinderten Personen: „Wie mir Schriftgrößen-Einstellung und Vorlesefunktion von eBooks neue Literaturwelten eröffneten“. Oder von Liebhabern fremdsprachiger Bücher, die diese nun zu erschwinglichen Preisen und in gut lesbarer Qualität erwerben können (englische Taschenbuch-Ausgaben sind z. B. normalerweise klein und weit in den Bund hinein gedruckt, auch wenn das Werk Pulitzer- und sonstige Preise gewonnen hat).

Aber vielleicht muss man ja gar nicht so absolut Stellung beziehen, weil Papierbuch und eBook auch einträchtig nebeneinander existieren können? Dank Verlagen, die ihre Novitäten für alle Nutzungsformen in guter Qualität zugänglich machen? Weil diese Verlage sich auf technische Entwicklungen, Autoren- und Leserwünsche eingestellt haben, ihre Herstellungs-Workflows und technische Ausstattung entsprechend angepasst haben?

Das muss ja nicht immer per Einkauf in eine andere Firma geschehen, wie vergangene Woche bei Bastei Lübbe und Bookrix. Eine fundierte Prozessanalyse fördert erfahrungsgemäß meist die Erkenntnis zutage, dass ein Verlag aus eigener Kraft mit der rasanten Entwicklung der Verlagswelt Schritt halten kann. Wenn einige Abläufe und Stellschrauben verändert werden, kann die ganze Bandbreite der Leser ein Werk nutzen – ob Literaturliebhaber oder Fachbuch-Leserin, und ganz egal auf welchem Medium.

 

 

Email this to someoneShare on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on TumblrShare on LinkedInPin on Pinterest