Virtual Reality für Verlage

Mit der Bekanntgabe des – unerwartet hohen – Preises für die Virtual-Reality-Brille Oculus Rift Anfang Januar steht die Veröffentlichung eines Highend-Gerätes für diese spannende, noch recht junge Technologie unmittelbar bevor. Nicht nur Spieleentwicklern bieten sich völlig neue Möglichkeiten – auch für Verlage eröffnen sich neue Wege.

Doch nicht nur über eine Highend-Lösung wie Oculus Rift können Neugierige sich in der virtuellen Welt umsehen. Da die Preise für Sensoren in den vergangenen Jahren deutlich geschrumpft sind, können auch Technologien genutzt werden, die bereits in eine Vielzahl der Haushalte Einzug gehalten haben. Über Cardboard, die Virtual-Reality-Lösung aus dem Hause Google, ist auch eine Low-Budget-Lösung verfügbar, für die lediglich ein Smartphone und eine Brille benötigt werden. Der Name „Cardboard“ verrät es bereits: als Brillen werden auch relativ preiswerte Modelle aus Pappe ab einem Preis von rund 15 US-Dollar angeboten. Zwar bietet diese Lösung nicht das gleiche Klang- und Seherlebnis wie die Oculus Rift, wird bei der Entwicklung von Virtual-Reality-Anwendungen jedoch diese erschwingliche Lösung mitgedacht, dürfte die Reichweite um ein Vielfaches höher sein.

Besonders im journalistischen Bereich sind erste erfolgreiche Gehversuche zu verzeichnen. Die New York Times hat bereits eine eigene Virtual Reality App entwickelt, die Nutzern von iOS- und Android-Geräten zur Verfügung steht. Auf der diesjährigen CES gab sich CEO Mark Thompson überzeugt, dass die New York Times im aktuellen – wie bereits im vergangenen – Jahr über ihre Virtual-Reality-Sparte Gewinne erzielen könne. Die Produktion „The Displaced“, in denen der Anwender einen Einblick in die Leben dreier geflüchteter Kinder erhält, ist bereits in 2015 ein großer Erfolg gewesen. Auch auf Youtube steht ein Kanal mit zahlreichen geeigneten Videos zur Verfügung.

Im Bereich der Bildung eröffnen sich zahlreiche Möglichkeiten, Schülern Inhalte auf völlig neue Art zu vermitteln. Mit „Titans of Space“ lernen User das Sonnensystem und die Größenverhältnisse von Planeten und Sternen kennen. Über die aktuelle Version von Google Street View können Schüler im Geographieunterricht Angkor Wat erkunden. Rundgänge durch Galerien und Museen sind ebenso denkbar.

Fachverlage können ihre Inhalte durch Virtual-Reality-Anwendungen ergänzen. Vom Rundgang durch das Amphittheater von Pompeji über 3D-Modelle von Protein-Strukturen – die Möglichkeiten sind vielfältig. Auf Konferenzen und Fachveranstaltungen könnten Ergebnisse zudem auch via Virtual Reality vorgestellt werden. Archäologische Daten erhalten so wortwörtlich eine neue Dimension:

Natürlich könnten auch weitere Verlage von Virtual Reality profitieren. Reiseführer könnten durch einen Rundgang in einer der lokalen Sehenswürdigkeiten ergänzt werden, Modebegeisterte könnten einen Besuch an den großen Laufstegen der Welt nachempfinden, Zeitgeschichte durch die Augen der Protagonisten dokumentiert werden.

Bis dato sind die Anwenderzahlen noch recht überschaubar. Probleme ergeben sich unter anderem durch die teils beachtlichen Größen der Downloads, was gerade bei Nutzern mit notorisch geringem Speicherplatz zu Ärgernissen führen dürfte. Auch Möglichkeiten, Werbung zu platzieren, sind bisher wenig erörtert worden. Zudem wird die Vielzahl der Kanäle, über die Content produziert und vermarktet werden kann, oft gerade in kleineren Firmen zunehmend zum Problem – eine geeignete Auswahl zu treffen fällt häufig schwer.

Letztendlich steckt Virtual Reality noch immer in den Kinderschuhen, das dürfte dennoch wenig Einfluss auf die Erfahrungen und Lerneffekte für heutige Anwender haben.

Crossmedia mal anders: #InternetABook

Auf Twitter treffen derzeit Buchklassiker auf Internetphänomene – so entsteht plötzlich ein ganz neuer Buchtitel. Die ebenso simple wie großartige Idee stammt von den Machern der US-Spieleshow @midnight. Die Kombiniertechnik wird auf Twitter häufig eingesetzt. So machten auf Twitter zuvor schon Hashtags wie #bahnfilme, #AfDfilme und natürlich auch #BERfilme die Runde.

Dieter Bruning Geschäftsführer der content-press KG

Dieter Bruning (52) übernimmt zum 1.10.2014 als geschäftsführender Gesellschafter die Leitung der Leipziger Unternehmensberatung content-press KG.

Mit Dieter Bruning steht ein ausgewiesener Kenner der Produktions- und Change-Prozesse in Verlagen an der Spitze des Unternehmens. Von 2006 bis 2012 war er als Leiter Herstellung und Content bei Wolters Kluwer tätig.

Zuvor war Dieter Bruning u.a. Manager Operations und Leiter Juristische Dokumentation bei Lexis Nexis Deutschland und Leiter Juristische Dokumentation beim MBO Verlag. Er bringt langjährige Praxiserfahrung im Management von Produktionsprozessen im Verlagswesen sowie über 15 Jahre Erfahrungen in der Beratung und im Change-Management von Verlags- und Konzernumstrukturierungen mit. Seit 2013 ist er bei content-press als Senior Consultant in Projekten im Bereich digitales Publizieren und Optimierung von Publishing-Prozessen tätig.

Dieter Bruning übernimmt die Unternehmensleitung von Ivo Hartz, der sich zukünftig verstärkt auf die Geschäftsführung seiner Firma eScriptum konzentrieren möchte, das Team aber weiterhin als Senior Consultant unterstützen wird.

Die Buchbranche: Seit 50 Jahren in der Krise?

Die alljährliche Frankfurter Buchmesse naht,die sich aktuell selbst als „weltweit größte Handelsmesse für Inhalte“* beschreibt – das Buch kommt da gar nicht mehr exklusiv vor. Das kann man bedauern – in den letzten Jahren werden wirtschaftliche Probleme von Verlagen und Buchhändlern ja gern auf die Abkehr vom gedruckten Buch und  „das Internet“ sowie „die Technik“ zurückgeführt.

In der Buchbranche wird gern die Vergangenheit verklärt. Da wurden gute Bücher gedruckt, die kluge Menschen kauften., lasen und debattierten. Aber steckt die Buchbranche wirklich erst seit diesem Jahrtausend in einer Krise? Oder befindet sie sich einfach in einem Wandel, der schon immer fester Bestandteil ihrer Identität war?

„Das Verhältnis von Erstauflagen und Neuauflagen hat sich von Jahr zu Jahr weiter zuungunsten der Neuauflagen verschoben. 1963 war es 80:20. Das heißt: die Überlebenschancen der Bücher nehmen zusehends ab.“ (Die Zeit 39/1964)

Ein Artikel aus der „Zeit“ zur 50 Jahre zurückliegenden Frankfurter Buchmesse 1964 liest sich erstaunlich aktuell: Die Chancen und Risiken von eReader, sozialen Medien, Online-Handel, (fehlendem) Digital Rights Management, content curation etc. werden hier schon mitgedacht:

„Das ersehnte Zeitalter der Weltliteratur, das Zeitalter, das allen alles zugänglich macht, wird auch die Zeit der wachsenden Ratlosigkeit des Lesers, der wachsenden Verwirrung, der wachsenden Ungerechtigkeit gegenüber dem Geschriebenen sein“ (Die Zeit 39/1964

Vom Versuch, diese Ungerechtigkeit gegenüber dem Geschriebenen auszugleichen, lebt die Buchbranche bestimmt noch eine ganze Weile, wenn auch manchmal unter Wehklagen.

 

* Zitat aus der Pressemeldung der Buchmesse zur Kooperation mit AirBNB vom 8.9.2014