Jaron Lanier und die großen Fragen der Buchbranche

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für den Internetpionier Jaron Lanier – das verwundert nur auf den ersten Blick. Lanier beschäftigt sich mit Kernfragen der Buchbranche: Wie lässt sich auch zukünftig mit kreativer Arbeit Geld verdienen? Wie kann ich die digitalen Daten eines Werks so absichern, dass die Urheber nicht ihrer Rechte beraubt werden? Oder konkreter: Welche Art von Geschäftsprozessen und IT benötigt ein Verlag heute? Und was zeichnet die Menschen aus, die mit diesen Daten und Prozessen arbeiten?

„Er [Lanier] will nicht einsehen, warum die Gesellschaft sich bereit erklären sollte, ihre Daten und ihre Arbeit umsonst herzugeben. Weiterlesen

eBooks, Taschenbücher und Verkaufsorte

29% der deutschen Buchleser nutzten im Herbst letzten Jahres eBooks (Quelle: BITKOM). Inzwischen dürfte die Zahl noch gestiegen sein. Das neue Format setzt sich durch, doch den Verkaufszahlen der eReader hilft das nicht unbedingt, denn neben dem Laptop oder Desktop-Rechner avanciert das Smartphone zum wichtigsten Lesegerät (siehe Grafik). Das offensichtliche: Smartphones ermöglichen nicht nur Lektüre immer und überall, sondern bietet auch den direkten Zugriff auf die Online-Verkaufsorte der eBooks.

Unkomplizierte Distribution war schon einmal ein Schlüssel zum Erfolg für eine neues Buchformat: Für Taschenbücher wurden seinerzeit andere Verkaufsorte als der klassische Buchhandel gefunden, um den Absatz zu erhöhen. Damals waren übrigens die Verlage sehr skeptisch, das Taschenbuch erschien nicht als vollwertiges Buch. Die haptische Erfahrung kam beim Taschenbuch viel zu kurz. Das kommt Ihnen bekannt vor?

Die Geschichte des (englischsprachigen) Taschenbuchs seit den 1930ern wird hier erzählt: „How Paperbacks transformed the way Americans read„. Es geht auch darum, mit welchen Maßnahmen Verlags damals erfolgreich im neuen Segment waren, und dass äußere Umstände (Wirtschaftskrise und Krieg) den Siegeszug des Taschenbuch begünstigten – ähnlich wie heute die technische Ausstattung der Leser

Quelle: http://www.bitkom.org/de/markt_statistik/64018_77541.aspx

Quelle: http://www.bitkom.org/files/documents/140307_e_Books.jpg

Welttag des Buches – wer hat’s erfunden?

Wer hat eigentlich den heutigen Welttag des Buches und des Urheberrechts erfunden?

Die UNESCO wars: „Den 23. April hat die 28. Generalkonferenz der UNESCO 1995 zum „Welttag des Buches und des Urheberrechts“ ausgerufen. Der Todestag von Shakespeare und Cervantes soll auf die fundamentale Bedeutung des Buches und seine unverzichtbare Rolle auch in der Informationsgesellschaft hinweisen. Die Idee des Welttages geht auf eine alte Tradition in Katalonien zurück, wo seit den zwanziger Jahren am 23. April, dem Sankt Jordi-Tag, auf den Straßen Buchstände aufgebaut werden und rund um das Buch ein großes Volksfest stattfindet. An diesem Tag werden dort Millionen von Rosen und Büchern verkauft.“

Rosen und Bücher- schon damals spielten also Non-Books eine gewisse Rolle beim Umsatz.

http://www.welttag-des-buches.de/de/135927

Medien-Revolutionen

Wer sich um Medienwandel, Journalismus und zukunftsfähige Geschäftsmodelle von Nachrichten-Lieferanten Gedanken machen (muss), findet in diesen Artikeln Denkanstöße:

Journalisten, die danach bezahlt werden, wie oft ihr Artikel angeklickt wird – und die klare Anweisungen haben, wie viele Artikel pro Tag zu liefern sind, dass sie in Dialog mit den Lesern treten sollen, und dass sie den Anteil an Bild-/Video-Veröffentlichungen zu steigern haben. Nichts Neues? Anscheinend doch, denn ein internes Papier des Oregonian bewegt gerade die Gemüter. Wo kämen wir denn da hin, wenn wir Nachrichten als Geschäftsmodell ansehen, fragt rhetorisch David Carr für die New York TImes, und hängt an seinen Artikel vorsichtshalber ein Katzenbild an. Gigacom,com bricht eine Lanze Leser-Interaktion.

Eine Medien-Revolution in Spanien ruft währenddessen der Guardian aus: Hier beutelt die schwere Wirtschaftskrise auch die großen Zeitungen.  Neben den Faktoren – sinkende Anzeigenerlöse, Verlagerung der Leserschaft von Print zu Online – spielt in Spanien auch der Vertrauensverlust in alteingesessene Institutionen eine Rolle. Der unabhängige Online-Journalismus gewinne an Bedeutung, weil hier die kritischeren Fragen gestellt werden und keine finanziellen Verflechtungen zu den Mächtigen im Lande bestünden, so der Guardian. Über 300 Online-Journalismus-Startups, oft aus der Not heraus von entlassenen Redakteuren oder Arbeit suchendem Nachwuchs gegründet, stellen kritischere Fragen als die traditionellen Zeitungen. Als Beispiele für erfolgreichen Online-Journalismus in Spanien werden im Artikel El Confidencial und eldiario.es genannt.

Prozessoptimiert lesen

Während wir gerade den Einfluss von eReadern und anderen mobilen Endgeräten auf die Lesepraxis verarbeiten und Prozesse und Workflows an die nicht mehr ganz neuen Formate und Bedürfnisse anpassen, entwickelt Spritz bereits eine neuartige Lese-App, die überhaupt keine Ähnlichkeit mit dem gedruckten Buch mehr aufweist:

Die Worte erscheinen nacheinander, ausgerichtet an einer optischen Ideallinie. Das Auge  muss also nicht mehr wandern, und soll so schneller Inhalte erfassen können. Auge und Gehirn werden sozusagen von unnötiger Arbeit entlastet, jeder Mensch kann zum Schnell-Leser werden. Auf der Website von Spritz (Klick aufs Bild) kann schon mal getestet werden, wie sich verschiedene Lesegeschwindigkeiten anfühlen.

Screenshot 24.3.2014, http://www.spritzinc.com/

Screenshot 24.3.2014, http://www.spritzinc.com/

Der physische Prozess des Lesens wird prozessoptimiert. Ob bei breiter Durchsetzung der Technik auch ePub-Standards neu erfunden werden müssten? Verarbeitet die App beim Leser vorhandene Texte, oder müssen diese jeweils neu erworben werden? Für Fachlektüre scheint optimierte Lesegeschwindigkeit ja eine naheliegende Verbesserung, aber wie wirkt sich das auf die Augen aus?

Während Spritz noch in der Entwicklungsphase steckt, können mit Spreeder bereits längere Texte gelesen werden. Rasant.